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Verquere Logik. - zur Abwahl OB Hoffmann als Vors. HEAG-Aufsichtsrat

MEDIENMITTEILUNG
Dienstag 30.11.2010

Angesichts der HSE-Querelen kann ein einigermaßen geordnet Denkender nur staunen. Die Abwahl des OB wurde doch primär mit seiner Gefolgschaft zu Herrn Filbert und seiner (zugegebenermaßen sehr verspäteten) Forderung nach einer erneuten Bewertung des Aktienpaketes begründet. Der Aufsichtsrat beschließt nach Abwahl des OB genau diese Neubewertung aber vorzunehmen. Anscheinend sind die Hoffmann-Filbert-Bedenken also berechtigt. Auch der Aufsichtsrat hätte das frühzeitig wissen können und müssen. Herrn Filbert hat wohl keiner zugehört. Jetzt dem OB alleine die ganze Schuld für seine zuvor unkritische Haltung zum Kaufpreis zuzuschieben ist angesichts dieses Vorgehens kindisch.

Welche Diadochenkämpfe spielen sich in Wahrheit ab, die mit diesem vorgeschobenen Problem nichts zu tun haben ? Blicken wir nicht viel eher auf ein lediglich egoistisch ruppiges Rudelbeißen um die Alphastellung - ? - das der Stadt und der HSE nur schadet !
OB Hoffmann hat sicher oft sehr egozentrisch herumlaboriert. Nicht abstreitbar sind ihm aber Erkenntnisse über faktische Gegebenheiten. Die hat er aber nie verstanden teamorientiert rechtzeitig rüberzubringen und dann auch gemeinsam führungsstark durchzusetzen. Vielleicht ging das aber schlicht nicht wegen der Eitelkeiten und Ichbezogenheit der Mitstreiter. Mit seiner Abwahl sind diese Bewertungs- und Finanzierungsfragen jedenfalls leider nicht gelöst...sie bleiben offen.

Sollte sich die vor kurzen in der StaVo als wunderbar günstig dargestellte Kaufoption tatsächlich als zu teuer herausstellen, wäre das ein Desaster und wird die Glaubwürdigkeit der Verantwortlichen insgesamt zu recht beschädigen. Die städtische Bürgschaft für den Ankauf sollte ja nur "Formsache" zur Erlangung günstigster Zinsen sein, bezahlbar locker aus der "HSE-Dividenden-Hosentasche". All das Lug und Trug, „nur“ Dilettantismus oder schlicht damals (in der StaVo) noch nicht wissbar?

Kann dieses Szenario Realität werden: die regelmäßig sprudelnden Millionen an Dividendenzahlungen - zumindest für die nächsten Jahre - versiegt? Der vormals gut bestückte und blendend auszubeutende Steinbruch HSE erschöpft? Man stelle sich vor, der Bau der NOU, der aus diesem Steinbruch bedient hätte werden sollten, wäre bereits im Gange mit Vertragsabschlüssen - und dann dies ? Katastrophal !

Die Bedenken der UWIGA gegen diesen Options-Deal scheinen sich immer mehr als richtig zu erweisen. Fakt ist, die EON muss verkaufen, zu welchem Preis bestimmt eigentlich der freie Markt - nur die Option verhindert das. Eine Option zu ziehen um blauäugig völlig überteuert einzukaufen macht keinen Sinn und wäre fahrlässig.
Sollten die Aktien also wesentlich weniger wert sein, warum kauft Darmstadt das Paket nicht billiger nach Verfall der Option auf dem „freien Markt“? Die Drohung, andere (natürlich die bitter-böse Atomlobby-Leute) würden sich dann das 40%-Paket gierig einverleiben und sich der Öko-stromausrichtung verweigern ist angesichts der städtischen Mitbietermöglichkeit und der bereits bestehenden städtischen Aktien-Mehrheiten nicht stichhaltig.

Es wundert uns allerdings woher all die Zahlen und Details in die Presse kommen. Die entsprechende Vorlage mit den Angaben ist als „nichtöffentlich“ deklariert. Aber für einen tüchtigen Journalisten ist es wohl kein Problem an diese „Geheimnisse“ zu kommen. Um nicht missverstanden zu werden, wir meinen sie hätten von Anfang an in die Öffentlichkeit gehört. Für uns Stadtverordnete entsteht durch die Nichtöffentlichkeit ein verflixt unangenehmer Konflikt : was können wir wie und wann gefahrlos kommentieren ohne Geheimnisse preiszugeben ?

Die UWIGA ist nirgendwo - im Gegensatz zu den etablierten Parteien - in einem Aufsichtsrat oder Gremium vertreten. Welche Argumente glaubhafter sind können wir deshalb nur an Personen festmachen - leider nicht an Fakten. Das Dilemma: allen verantwortlich Agierenden können wir nicht wirklich trauen. Teils wegen ihres Laienstatus, teils wegen undurchsichtigen Eigenen- oder Parteiinteresses.

In dem Zusammenhang erwähnenswert ist, dass das ehemalige UWIGA-Mitglied Hans Schreiner 2006 durch uns ehrenamtlicher Stadtrat wurde, anno 2008 nach seinem Austritt aus der UWIGA einen Sitz wundersamerweise als „Parteiloser“ im Aufsichtsrat bekam. Ein Zeichen für lobbyfreie, ehrbare Seriosität ohne jegliches Proporzdenken ? „Honi soit qui mal y pense“ …?

Lesen Sie dazu auch unsere Pressemitteilung vom Freitag, 26. November 2010.
UWIGA befürchtet Finanzdesaster für die Stadt

04.12.2010