
UWIGA–Fraktion, Stadtverordnetenversammlung Darmstadt
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Einzelkritik
Wie sind die Kandidaten für die Darmstädter Oberbürgermeisterwahl beim Publikum und bei Beobachtern angekommen, als sie sich am Mittwoch Abend im Liebighaus auf dem ECHO-Podium öffentlich präsentierten? Viele waren überrascht, wie es den Außenseitern gelang, den Favoriten die Schau zu stehlen. Stimmen aus dem Publikum und Bewertungen innerhalb der Redaktion führen zu folgender Einzelkritik:
Wolfgang Gehrke (CDU): Uninformiert und ungeschickt. Findet nichts an Darmstadt und schwärmt von anderen Städten. Kandidiert er in Münster in Westfalen? Verwechselt Tarifverträge mit Beamtenrecht. Überzieht die Kritik an früheren Oberbürgermeistern derart, dass er Buhs erntet. Steht immerhin fest zum ICE-Halt in Darmstadt.
Walter Hoffmann (SPD): Vorauseilender Gehorsam gegenüber Mehdorn: Hoffmann empfiehlt allen Ernstes, die Forderung nach einem ICE-Halt in Darmstadt fallen zu lassen. Kann sich das ein Darmstädter OB-Kandidat leisten? Sagt nichts Konkretes, vor allem nicht, wo er sparen könne, um den Haushalt zu entlasten. Wirkt hölzern. Sucht Distanz zur SPD-Tradition in Darmstadt.
Daniela Wagner (Grüne): Seltsam gehemmt, kann sich rhetorisch viel besser darstellen. Ist aber gut vorbereitet, kurz und prägnant in ihren Aussagen und fair gegenüber anderen. Präsentiert sich als die eigentliche rot-grüne Kandidatin. Traut sich den Abschied von unrealistischen grünen Kultprojekten wie der Darmbach-Renaturierung.
Jörg Dillmann (Uffbasse): Der tätowierte Glatzkopf mit dem punkigen Bürgerschreckimage kommt bei den Bürgern gut an. Hoher Unterhaltungswert („Darmstadt ist die einzige Stadt, die sich einen Oberbürgermeister wie mich leisten kann“), volksnah und treffsicher. Der klassische Hofnarr. Mehr aber auch nicht.
Michael Siebert (OS/3): Intellektuell und rhetorisch geschliffen. Das weiß er und hört sich entsprechend gern reden. Klare Vorstellungen gehen im belehrenden Redeschwall eher unter. Immer deutlich sein Ziel: Rache an rot-grün, die ihn als Vertreter der grünen Fundamentalisten nicht mehr haben wollten.
Helmut Klett (Uwiga): Überraschender Punktsieger. Klare, volksnahe, ganz ungeniert auch populistische Aussagen. Ruhig, ungekünstelt, humorvoll, ohne herumzukaspern. Klammert sich nicht nur an den Erfolg in der Abwasser-Affäre. Räumt trocken ein, dass er sich noch nicht so richtig auskennt.
Klaus Staat
25.2.2005
25.05.2006