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Erst Mucker, dann „knuddelisch Kall“

Werbe-Comic zum Ausbau der Frankfurter Landstraße

Beleidigung der Arheilger „humorvoll ?“ verpackt.

Verwunderlich ist, dass die Vorzüge einer doch derartig offensichtlich tollen Maßnahme wie der zweigleisige Ausbau in Arheilgen von der Stadt so massiv durch teure PR-Maßnahmen in die wenigen (?) Köpfe der Unbelehrbaren gehämmert werden muss.

Baustellenfest, Flyer, zweiseitige Anzeigen, Aufkleber und und und - all dies bezahlt von den Bürgern, die dann zu einem Fest eingeladen werden und so einen mageren Teil Ihrer eigenen Scherflein in Form von „Events“ zurückbekommen.
Nichts gegen sachliche Information der Bürger, aber Meinungsmache durch steuerfinanzierte Reklame und an feudale Zeiten erinnernde Selbstinszenierung ?
Ist das die Meinungsfreiheit wie wir sie wollten ?
Da kann eine kleine Truppe wie wir weder organisatorisch noch finanziell mithalten.
Nur, das edelsanierte Ruthsenbachgelände wurde ohne Straßenbahn gebaut, da gab es andere Mittel. Wir haben nichts gegen eine Aufwertung des Stadtbildes, diese Auslegung wird zwar gerne benutzt, ist aber nicht richtig. Die Allee wäre bei einer eingleisigen Frankfurter Landstraße mit weit weniger Kosten ebenso und noch harmonischer möglich gewesen.

Jetzt werden die Mucker in einem Werbe-Comic - rechtzeitig zum Baustellenfest gedruckt - als Nörgler, Grantler, (Besserwisser, Quengler) denunziert. Geschickt verpackt in ein harmloses Comic, das es leicht macht, bei Anstoß daran dem Kritiker Humorlosigkeit vorzuwerfen.
Das kann aber nur dann als mäßig witzig hingenommen werden, wenn es sich hierbei um die karikaturhafte, zeichnerische Charakter - Umsetzung eines Privatunternehmers handeln würde. Nicht aber bei einem städtischerseits finanzierten Heftchen, das eindeutig die Intention hat, Gegner dieser Art von Ausbau ins Lächerliche zu ziehen.
Demagogisch ? Infam ?
Warum nennt die Stadt dann das neue Gemeinschaftshaus „Muckerhaus“ und nicht gleich und ehrlicher „Nörglerhaus“ ? Ist es das, was die Arheilger nicht ohne Stolz unter „Mucker“ verstehen ? Wir meinen Nein.

Bei dem Ausbau geht es um hohe Kosten und damit auch um Prioritäten. Jedem Bürger sei ein bequemer Nahverkehr gegönnt, nur die Kosten und vor allem die Folgekosten muss man abwägen. Man kann nicht alles haben. Ist ein neuer Kindergarten an der Stadtteilschule, ist die Neugestaltung S-Bahnhofsplatz, Ist das unbeschwerte Badevergnügen im Mühlchen, Ist die Unterhaltung der Straßen, etc... nicht wichtiger ?

Die Stadt geht schweren finanziellen Zeiten entgegen. Das wird sich nach und nach vermehrt auch dem Bürger offenbaren. „Offenbacher Verhältnisse“ werden kommen, nicht von der Stadt kreativ gesteuert, sondern vom RP zwingend wegen schwerer Fahrfehler gefordert. Das wird auch die umworbene Jugend ausbaden.
Wer darauf hinweist - ist der ein Nörgler und Quengler ?

Ungewöhnlich auch, wie der Gewerbeverein Arheilgen sich Duz-brüderlich hinter der Verwaltung einreiht. Wäre da nicht eher eine objektive, souveräne Distanzwahrung angebracht ? Wie würden z.B. die Mitglieder der IHK solch eine Umarmung bewerten ?
Zu denken könnte speziell den Einzelhändlern - nicht den Wohnbürgern - eine Sprechblase im Comic geben: „In `ner Viertelstund` bis zum Luisenplatz. Mit der neuen Elektrisch` geht das ratzfatz“
Eben: zum Luisenplatz und nicht zum Arheilger Ortskern !

hk 19.08.2007

06.09.2007