hervorgegangen aus der IG-Abwasser
Stellungnahme zum Vortrag im Kulturausschuss von Herrn Prof. Lederer
Eng ist die Welt, und das Gehirn ist weit.
Leicht beieinander wohnen die Gedanken.
Doch hart im Raum stoßen sich die Sachen.
(Schiller, Wallenstein. Wallensteins Tod II, 2)
Die gekonnt und engagiert vorgetragene Präsentation zur Gestaltung der Georg-Büchner-Anlage und der Tiefgarage hat hoffentlich so manchem der Anwesenden die Augen für übergeordnete Zusammenhänge geöffnet.
Unser anwesender Fraktionsvorsitzenden Klett kommentierte den Vortrag spontan dahingehend, dass die UWIGA diese grundsätzlichen Erwägungen von Herrn Lederer ausdrücklich begrüßt, ja wir uns wünschen würden, eine solche übergeordnete Betrachtungsweise auf die gesamte Innenstadt auszudehnen.
Der Ansatz der Darmstädter Stadtplanung eine erholsamen Naherholungsgrünanlage an einer eigentlich hochgradig urbanen Stelle -Eingang Staatstheater- erhalten zu wollen ist für uns falsch.
In diesem Einzelfall wurde erkannt, dass die autogerechte, introvertierte Theatermaschine eben nicht der richtige Weg war, sondern das Gebäude auch von außen als Stadtraum fußläufig erlebt werden will. Wäre es dann nicht logisch einer vom Flanieren lebenden City eine autogerechte Großeinkaufsmaschinerie ( Vorschlag Investor Klotz ) neben der City zu ersparen ?
Der Vortrag verdeutlichte woran es bei unserer Stadtplanung fehlt. Stadtgestaltung heißt eben nicht Einzelobjekte durchzusetzen und relativ zusammenhanglos in der Innenstadt zu platzieren. Stadtraumgestaltung ist mehr als später hie und da ein Bäumchen in Kübel zu setzen und mit Pflasterkunstwerken zu umgeben.
Allerdings ist eine solche Gesamtschau, Zielformulierung und Gestaltgebung mühevoller und zeitraubender als die Durchsetzung von Vorzeigeprojekten, letztlich aber für die Identität, die Anziehungskraft und das Image der Stadt wichtiger und auch lohnender. ( Wir wollen uns gar nicht vorstellen, was alles für das Darmstadtium-Geld im Bereich Stadtgestaltung hätte getan werden können.)
Das liebe Geld spielt gerade bei unserer hochgradig verschuldeten Stadt leider eine wesentliche Rolle. Schon deshalb ist es unumgänglich Prioritäten zu setzen.
Wir hätten schon längst damit aufhören müssen immer wieder neue Projekte anzufassen, die immense Folgekosten nach sich ziehen.
Auf blendende Großprojekte verzichten zugunsten vieler kleiner bürgernaher Projekte ist weniger spektakulär, desto trotz notwendig.
Die genannten 6,8 Mio Sanierungskosten beziehen sich auf einen „über den Daumen gepeilten“ Durchschnittswert ! Eindeutig nicht auf eine Konzeption wie von Herrn Lederer vorgeschlagen. Das muss man wissen, ehe jetzt schon Summen öffentlich genannt und akzeptiert werden die mit der Realität nichts zu tun haben. Die Modalitäten des Vertrages zwischen Stadt und Land (letztendlich ist das eine Immobilie des Landes) müssen sehr genau geprüft und vor allem auch den Stadtverordneten bekannt gemacht werden die das zu entscheiden haben.
Wünschenswert ist unendlich vieles. Seriöse Politik heißt aber das Wichtige zu erkennen und vor das Wünschenswerte zu setzen, auch wenn dadurch Wähler verloren gehen. Dieses Risiko nimmt die UWIGA bewusst in Kauf.
30.01.2007