hervorgegangen aus der IG-Abwasser
Der UWIGA - Einwurf
wie viel „Spargel“ dürfen´s sein ?
Ein Vorranggebiet für Windenergienutzung, was nichts anderes heißt als die Errichtung einer Windparkanlage, sieht der Entwurf des Regionalplanes vor - im Norden von Darmstadt - südlich der GSI. Auf landespolitischer Ebene macht sich Herr Michael Siebel dafür stark, im Stadtparlament hat er´s im Gleichklang mit den kommunalen Genossen abgelehnt. Zu den Fakten: im Entwurf zum Regionalplan unter Windenergienutzung können wir unter Z8.2.1-2 nachlesen:
„Zur Minderung räumlicher Belastung und Minimierung der Landschaftsbildbeeinträchtigung erfolgt die Darstellung auf Konzentrationsflächen von mindestens 18 ha.“
Belastungsminimierung und deshalb Konzentrationsflächen? Das müsste gerade den Arheilgern doch irgendwie bekannt vorkommen !? Gibt es da nicht auch eine konzentrierte Fluglärmlinie - die „minimal-noice-Route“ ? Letztlich heißt diese Konzentration zur Minimierung von Belästigungen nichts anderes als deren Maximierung auf wenige. Demokratisch leicht legitimierbar, indem man den Kreis der Abstimmberechtigten auf eine gewaltige Mehrheit von Nichtbetroffenen erweitert.
Nun, diese 18 ha „Wind-Konzentrationsfläche“ sind schlappe 180.000 m², also sogar etwas weniger als das, was an Wald für die GSI-Erweiterung verschwinden wird. Dann haben die Nordbürger im südlichen Hausbestand noch die Baubeschränkungen dank der Sevesorichtlinien zu erwarten. Eine Siedlungsbeschränkung wegen unzumutbarem Fluglärm haben sie ja schon. Aber was soll´s ? Wer wird sich in Arheilgen groß wehren ? Wer bekennt sich öffentlich zum Ehrentitel „Mucker“ ? Als Ausgleich für all diese Belastungen bekommen die Arheilger doch immerhin eine zweigleisige Straßenbahnallee !
Aber kehren wir zurück zur windigen Thematik.
Herr Landtagsabgeordneter und Stadtverordneter Michael Siebel meinte in der Sitzung der Stadtverordneten, bei regenerativen Energien könne man die Ästhetik nicht als Wertmaßstab anwenden. In seiner Konsequenz ein ziemlich hanebüchenes Argument. Danach könnten wir mit einem Riesenwindrad sogar die Mathildenhöhe krönen und unser Schlossdach mit fürstlich glänzenden Fotovoltaikanlagen verschlimmbessern !
Die „Nachhaltigkeit“ ist ein großes Schlagwort geworden. Damit lässt sich inzwischen jede Gegenargumentation niedermähen und hat fast schon den Stellenwert eines religiösen Seligversprechens erreicht : jeder Andersdenkende ist als Ketzer zur Hölle verdammt.
Da nehmen wir folgerichtig hoffnungsvoll und demütig im Dieseits als Heilslehre endlose Monokulturen für´s Biogas, linear abwechslungsreich durchsetzt und gestaltet mittels Windkraftspargeln, in Kauf. Was schert es da, wenn durch diese Art von nachhaltig seliger Himmelsenergie unser Landschaftsbild nachhaltig zerstört wird ?
Trotzdem, wir wagen es noch etwas dagegen zu äußern. Die Energieerzeugung mit Wind ist eine durchaus nicht nur optische sondern auch in Bezug auf ihre Effizienz zu betrachtende Fragwürdigkeit.
Unzweifelhaft zerstören diese Anlagen den freien Blick zum Horizont, verschandeln die Silhouette von Bergkämmen. Das alles kann natürlich jenen Techno- und Bürokraten egal sein, die nur vor dem PC sitzen und ihre Weltsicht aufs Internet plus Wohnung / Schreibzimmer beschränken. Derzeit beträgt der Windanteil ca. 5 % der Stromerzeugung, steigern wir diesen Anteil auf 15 % wird es den (be)freien(den) Blick zum grenzenlosen Horizont nicht mehr geben. Das mag angesichts der Klimasituation sekundär und unwichtig erscheinen, nur, retten wir damit tatsächlich die Welt ?
Dass die Erzeugung und vor allem die Speicherung von Energie eine hochbedeutsame Rolle für uns alle spielt, ist unbestritten. Es gibt aber auch sinnvollere Wege als die Spontanerzeugung von Energie mittels Wind, bei dessen Ausfall andere, geschmähte Versorger einspringen müssen. Dabei sind durchaus ernstzunehmende Alternativen zur Riesenwindmühle vorhanden, die sich kompakter und weniger verstreut realisieren ließen.
Wie wäre es - um nur ein Beispiel zu nennen - damit, endlich mal gründlicher über ein stetig und immer funktionierendes Tiefengeothermie-Kraftwerk zur Stromerzeugung nachzudenken, ein solches Kraftpaket real anzupacken ? In unserer Region mit dem Oberrheingraben hätten wir die besten Voraussetzungen dafür.
Die zu beplanenden Konversionsflächen wären ein ideales Feld, um dort zukunftsträchtige und zukunftsweisende Technologien, die Kopplung von Kraftwerk und die Nutzung des „Abfalls“ Abwärme als Fernwärmeversorgung, beispielhaft einzusetzen.
Ein Unterfangen, das dem Titel „Wissenschaftsstadt“ wahrlich würdig wäre.
hk
12.11.2007