hervorgegangen aus der IG-Abwasser
Siegesfeiern sind nicht zu erleben am Sonntagabend in der Centralstation. Dabei gibt es durchaus Sieger: Zwei spezifisch darmstädtische Gruppierungen können sich im ersten Trend noch vor der Traditionspartei FDP platzieren. Ganz hinten links in der Halle fällt das Grüppchen der „Uwiga“-Aktivisten kaum auf. Triumphgebrüll ist dort nicht zu vernehmen. Aber Genugtuung zeigt sich doch.
„Das ist doch aus dem Stand heraus ein beachtliches Ergebnis“, befindet der Uwiga-Spitzenkandidat Helmut Klett, „für eine Newcomer-Partei mit einem Wahlkampf-Etat von 4000 Euro.“ Steht die Uwiga als Bündnispartner für andere Parteien bereit? „Ich persönlich habe immer gesagt, dass ich Rot-Grün in Darmstadt ablösen will“, erklärt Klett, „da wäre ein Bündnis wohl kaum vermittelbar.“ Gesprächen wolle man sich aber nicht von vornherein verschließen. Für eine Koalition mit CDU und FDP werde es wohl nicht reichen. Klett rechnet nun mit einer „Patchwork-Koalition – das ist im Prinzip auch nichts Schlechtes“.
„Ziemlich platt“ sei er, sagt Jörg Dillmann von „Uffbasse“. Die Interessensgemeinschaft („wir sind keine Partei!“) und ihre Anhänger haben sich in der Krone versammelt, wo auf einer Leinwand die Ergebnisse aktualisiert werden. Um 20.30 Uhr steht fest: 6,8 Prozent. „Das zeigt halt“, so Spitzenkandidat Dillmann gelassen, „dass der Bürger nach einer Veränderung schreit“. Seine Leute würden rüberbringen, dass nur Menschen etwas verändern können, nicht aber Programme, die man wieder umschreiben kann. „Und wir wollen verändern.“ Aber nicht in einer Koalition. „Ich auf jeden Fall nicht, die anderen vielleicht schon.“
Wie Jürgen Barth zum Beispiel, ehemaliger Grüner. „Klar, je höher das Ergebnis ist, umso mehr müssen wir einsteigen“, sagt er. Uffbasse soll seiner Ansicht nach bei wichtigen Entscheidungen mit gesundem Menschenverstand „das Zünglein an der Waage“ sein.
Barths frühere Parteifreunde sind nicht begeistert, aber zufrieden. Das ist jedenfalls der Grundtenor der Grünen, die in der Centralstation zusammen stehen. „Verhalten erfreut optimistisch“ fasst Spitzenkandidatin Brigitte Lindscheid das vorläufige Ergebnis zusammen. „Wir wissen, dass grüne Wähler gerne kumulieren und panaschieren, und das Ergebnis deshalb eher noch nach oben geht.“ Uffbasse habe schon ein bisschen „gewildert“.
Ganz aufgeregt zeigt sich zu Beginn des Wahlabends ausgerechnet die erfahrene Vollblutpolitikerin Ruth Wagner – aber nicht wegen ihrer eigenen Kandidatur in Darmstadt. „Das ist ja kaum auszuhalten, drei Landtagswahlen und hier ist kein Fernseher“, stöhnt die FDP-Spitzenfrau. „Ich bin schließlich auch im Bundesvorstand.“
So ernüchternd die Länder-Ergebnisse für die FDP ausfallen, so ernüchternd verläuft auch der Abend in der Centralstation. Immerhin: Das erste Wahlziel, die Ablösung von Rot-Grün, sei erreicht, betonen Wagner und der Kreisvorsitzende Leif Blum. Dass aber die FDP nur auf Platz fünf landen würde, damit hat man nicht gerechnet. „Man muss das so akzeptieren“, sagt Blum.
Annette Wannemacher-Saal
27.03.2006