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Unabhängige mit Stehvermögen

Parteien: Unverwechselbar darmstädtisch: Uffbasse und Uwiga sind keine Eintagsfliegen – Erfolge an den Urnen

Uffbasse und Uwiga – so heißen die zuletzt erfolgreichsten politischen Eigengewächse in Darmstadt. Die eine Wählervereinigung mischt bereits seit der Kommunalwahl 2001 in der Stadtverordnetenversammlung mit, die andere betätigte sich zunächst als wirkungsvolle Interessegemeinschaft im außerparlamentarischen Raum.

Beide erwiesen sich über einen längeren Zeitraum als handlungsfähig, während andere kommunalpolitische Zweckgemeinschaften bald wieder im Streit zerfielen.

Gemeinsam ist den unabhängigen Lokalgruppierungen, dass sie sich in erster Linie über Fragen des politischen Stils definieren und von den etablierten Parteien absetzen, die Uffbasse als „Volksverdreher“ schmäht; „keine Halbwahrheiten, sondern ehrliche Aussagen“ verspricht die Uwiga als Alternative. Konkrete Aussagen zu kommunalpolitischen Themen stehen in beiden Fällen nicht im Mittelpunkt der Wahlkampagne.

Uffbasse steht formal für „Unabhängige Fraktion freier Bürger: aufrecht, spontan, subkulturell, eigenwillig“; tatsächlich geht der Begriff auf die erste Oberbürgermeister-Kandidatur des Spitzenkandidaten Jörg Dillmann im Jahr 1993 zurück („Uffbasse! Dillmann wähle!“). Der verschwenderisch tätowierte Hausmeister und nebenberufliche Punksänger ist seither zu einer Leitfigur der Darmstädter Subkultur-Szene geworden. Entsprechend fantasievoll sind regelmäßig die Wahlplakate, die sich diesmal an die „Matrix“-Filmtrilogie anlehnen.

„Bevor Mensch aus lauter Verzweiflung Bomben wirft oder sich selbst vorn Zug“, so lautet das Uffbasse-Credo, „sollte Mensch sich lieber organisieren.“ Man habe allerdings „gar kein Bock auf die althergebrachte Art von Politik“.

Dillmann betont bei öffentlichen Auftritten seine Rolle als unangepasster Außenseiter; das hinderte ihn und seine Fraktionskollegin Kerstin Lau nicht daran, im Stadtparlament konstruktiv mitzuarbeiten. Dabei unterstützten sie zumeist die rot-grüne Regierungskoalition – auch dann noch, als diese durch den Übertritt des früheren Grünen Jürgen Barth zu Uffbasse ihre Mehrheit verloren hatte.

Mehr Freiräume für die Jugendkultur und Einsatz für Randgruppen nennt Dillmann als wichtige Ziele in der neuen Wahlperiode. Uffbasse lehne die Nordostumgehung in der vorgesehenen Form ab und wende sich auch gegen Privatisierungen öffentlicher Einrichtungen und Betriebe.

„In der Gemeindepolitik“, so beginnt das Wahlprogramm der Uwiga, „haben nach unserem Selbstverständnis Sachfragen absoluten Vorrang vor Parteipolitik.“ Die Gruppe „Unabhängige Wähler der IG Abwasser“ ist aus der Interessengemeinschaft hervorgegangen, die vor Jahren dem Magistrat eine herbe Niederlage im Rechtsstreit um überhöhte Abwassergebühren beigebracht hatte.

Erstmals trat die Uwiga 2005 auf Wahlzetteln in Erscheinung: Mit beachtlichem Erfolg, denn der OB-Kandidat Helmut Klett erzielte unter den drei unabhängigen Bewerbern das beste Ergebnis.

Der Architekt ist auch diesmal Spitzenkandidat der Uwiga. Die Sanierung des Darmstädter Haushalts ist ein zentrales Ziel für die Wählervereinigung. Wo kann man ansetzen? „Ich bin kein Haushaltsexperte“, sagt Klett, „aber im Kulturetat kann man mit Sicherheit kürzen und die Beteiligung des Landes erhöhen.“ Er bedauert die Entscheidung für das Kongresszentrum, „aber das ist abgehakt“, und findet den neu gestalteten Bahnhofsvorplatz „merkwürdig“: „Wir sind dafür, Straßen, Plätze und Wege zu sanieren, bevor man neue Platzgestaltungsorgien veranstaltet.“

Die Uwiga ist für sozialen Wohnungsbau auf dem Marienplatz, für eine Senkung der Fahrpreise für Busse und Bahnen und für eine Umplanung bei der GSI: Der neue Ionenbeschleuniger solle nicht im Wald bei Wixhausen, sondern auf Ackerflächen im Süden des GSI-Areals entstehen.

db

18.03.2006